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02. Oktober 2019

VPTMAGAZIN meets ... Die Physiotutors

VPTMAGAZIN meets ...  Die Physiotutors

Unser Presse- und Öffentlichkeitsarbeitsteam Tanja Hergel und Oliver Peters haben sich mit den „YouTube-Stars“ unserer Branche getroffen und ein kurzes Interview geführt. Andreas Heck und Kai Sigel betreiben sehr erfolgreich den YouTube-Channel Physiotutors und vermitteln mit ihren Beiträgen physiotherapeutisches Fachwissen an Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt …

Kai und Andreas ihr arbeitet beide als Physiotherapeuten in Amsterdam. Warum habt ihr euch für diesen Beruf entschieden?

Andreas: Ich war als Jugendlicher ein halbes Jahr auf der High School in den USA. In Amerika ist es so, dass der Physiotherapeut, also der Physical Therapist, ein hohes Ansehen im Gesundheitswesen genießt. Mir wurde der Studiengang da-mals schmackhaft gemacht und ursprünglich wollte ich dann auch dort studieren. Letztendlich war aber die finanzielle Hürde zu hoch, sodass ich eine Alternative in Europa gesucht habe. In Deutschland gab es zu der Zeit noch keinen entsprechenden Studiengang und so bin ich in Amsterdam fündig geworden.

Warum hast du dich denn explizit für ein Studium und gegen eine Ausbildung entschieden?

Andreas: Ich habe das Abitur gemacht und dann war die Entscheidung für mich schnell klar, dass für mich nur ein Studium in Frage kommt. Außerdem ist mein Vater Arzt – deswegen stand für mich schon lange fest, dass auch ich einen akademischen Weg gehen möchte (lacht).

Kai, wie bist du zu dem Beruf Physiotherapeut gekommen?

Kai: Bei mir war das eine längere Geschichte. Ich habe ursprünglich in Stuttgart an der Dualen Hochschule Wirtschaftsinformatik studiert und anschließend drei Jahre in diesem Bereich gearbeitet. Das hat mir zwar gefallen und auch das Gehalt war super – aber es war einfach nicht meine Leidenschaft. Da ich zu dieser Zeit höherklassig Fußball gespielt habe, hatte ich auch regelmäßig Kontakt zu einem Physiotherapeuten. Schnell habe ich gemerkt, dass dies ein toller Beruf ist. Die Inhalte und Aufgaben des Physios haben mich deutlich mehr interessiert als meine Arbeit als Wirtschaftsinformatiker. Ursprünglich wollte ich schon früher etwas im medizinischen Bereich machen, hatte das aber im Laufe der Zeit aus den Augen verloren. Mit 25, also nach drei Jahren als Informatiker habe ich mir dann also die Frage gestellt, ob das alles so richtig ist und ob ich diesen Beruf ein Leben lang machen möchte. Ich habe mich dann für einen Cut entschieden und war erstmal ein Jahr auf Reisen. In dieser Zeit habe ich den Entschluss gefasst, den Beruf Physiotherapeut tatsächlich zu erlernen und auszuüben. Bedingt durch meine Reise, habe ich mich in diesem Zusammenhang für eine Ausbildung im Ausland entschieden. Ich wusste, dass ein Studium in den Niederlanden möglich war und da die Universität in Amsterdam einen sehr guten Ruf hatte, habe ich mich entschlossen, dort zu studieren.

Habt ihr beide euch dann an der Universität in Amsterdam kennengelernt?

Kai: Ja, genau – beim Tischtennis (lacht).

Andreas: Wir waren fünf Deutsche in unserem Studiengang, da sind wir schnell miteinander in Kontakt gekommen und im Laufe der Zeit Freunde geworden.

Als Physiotutors seid ihr in den sozialen Medien aktuell sehr präsent. Was hat es mit diesem Projekt auf sich und wie seid ihr auf die Idee dazu gekommen?

Andreas: Zu Beginn unseres Studiums, 2012, haben wir selbst immer wieder nach weiterführenden Informationen gesucht. Besonders bei Ausführungen, welche im Unterricht oder den Lehrbüchern zu kurz kamen, haben wir uns detailliertere Informationen gewünscht. Solche haben wir dann auf YouTube gesucht, allerdings nichts Geeignetes gefunden. Für uns waren Informationen wichtig, die zum einen inhaltlich gut aufbereitet sind, aber andererseits auch audiovisuell ansprechend waren. Es gab immer zwei Extreme: Entweder es war ein optisch schön aufbereitetes Video, das dann aber inhaltlich zu kurz kam oder es war inhaltlich ein gutes Video, welches aber graphisch nicht überzeugte.

Da haben wir gedacht: „Das machen wir einfach selber.“ Zu diesem Zeitpunkt haben wir angefangen, als Mentoren für Studienanfänger zu arbeiten und wir haben verschiedene Lehrveranstaltungen, sogenannte Tutorien, veranstaltet. Da wir keine schriftlichen Ausarbeitungen verfassen wollten, haben wir uns entschieden, diese Inhalte zu filmen und auf unserem YouTube- Kanal zu veröffentlichen. Unsere Videos waren frei zugänglich und so hat das Projekt Physiotutors dann seinen Lauf genom-men.

Kai: Wir hatten das Glück. Von Andreas' Vater haben wir eine gute Kamera bekommen. Und vor der Universität haben wir eine kaputte Behandlungsbank gefunden (lacht). Die haben wir reparieren lassen und seitdem drehen wir Videos bei uns im Wohnzimmer. Mittlerweile, sieben Jahre später, veröffentlichen wir drei Videos pro Woche auf unserem YouTube-Kanal.

Wie hoch ist durchschnittlich der zeitliche Aufwand für ein Fachvideo?

Kai: Das ist ganz unterschiedlich, je nach Komplexität des Themas. Die größte Arbeit ist sicherlich die Re-cherche und die Suche nach Themen.

Andreas: Vom anfänglichen Skriptschreiben über die nachträgliche Bearbeitung des Videos bis zur Veröffentlichung des Videos auf YouTube brauchen wir im Schnitt ca. drei Stunden.

Welches Ziel verfolgt ihr mit euren Fachvideos und dem gesamten Projekt Physiotutors?

Kai: Wir möchten Physiotherapeuten, die am Anfang ihrer Berufslaufbahn stehen, so gut wie möglich auf ihrem Weg begleiten. Im Studium und in der Ausbildung gibt es inhaltliche Lücken, die wir mit unseren Lehrvideos schließen möchten. Wir haben mittlerweile so viele Videos zu den verschiedenen Themen und Assessments gedreht, dass selbst ich immer wieder mal rein gucke, um mich über spe-zielle Inhalte zu informieren.

Ihr arbeitet in den Niederlanden, wo es seit 2006 den Di-rektzugang gibt. Welche Erfahrungen macht ihr damit?

Kai: Wir haben damit sehr positive Erfahrungen gemacht! Es gibt sogar Studien, die belegen, dass dies ein sehr erfolgreiches Modell ist. Bei uns in den Niederlanden ist der Direktzugang mittlerweile völlig normal. In unserem Studiengang Physical Therapist werden entsprechende Inhalte wie das Screening sehr intensiv gelehrt, sodass das notwendige Wissen, insbesondere für eine Diagnosestellung der Therapeuten vorhanden ist. Ich denke, dies ließe sich auch auf Deutschland übertragen. Wenn Physio-therapeuten über eine akademische Ausbildung verfügen, stoßen sie vielleicht auch auf mehr Akzeptanz bei den Ärzten und können dort auf Augenhöhe kommunizieren.

Welche Pläne habt ihr für die Zukunft und was möchtet ihr gerne noch erreichen?

Kai: Wir haben jetzt sieben Jahre zusammengewohnt und bei uns zu Hause unsere Videos gedreht. Jetzt sind wir an dem Punkt, an dem das Projekt Physiotutors in Richtung „echtes Unternehmen“ geht. Ab November beziehen wir unser eigenes Office in Amsterdam, in dem wir eine breite Palette an Projekten realisieren und einen Arbeitsplatz für unser wachsendes Team bieten können.

Andreas: Wir wollen auf jeden Fall unser inhaltliches Portfolio erweitern und insbesondere thematisch mehr in die Breite gehen. Wir haben beide durch unsere Arbeit in der Praxis eine persönliche Affinität zum orthopädischen Fachgebiet. Aktuell behandeln wir als Physiotutors daher noch kaum Themen aus den Fachbereichen Geriatrie und Neurologie. Das wollen wir auf jeden Fall ändern! In nächster Zeit wird also einiges passieren!

Wir sind gespannt und wünschen euch für die Zukunft alles Gute. Vielen Dank für das Gespräch!

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